r No Other Choice
Park Chan-wook, Republic of Korea, France, 2025o
You Man-su, a senior executive at a paper mill, has achieved domestic bliss with a house, a garden and dogs. When he loses his job, luxuries such as Netflix subscriptions, tennis and cello lessons have to go, and the house may soon follow. But during his frustrating search for a new job befitting his status, Man-su has a brainwave: if good jobs are scarce, you simply have to reduce the number of applicants...
Spätestens seit dem internationalen Durchbruch von Bong Joon-ho (Snowpiercer, Parasite) gelten südkoreanische Regisseure im internationalen Unterhaltungs- und Arthousekino als Wonderboys, die immer für Überraschungen gut sind. Auch Park Chan-wook hat sich mit Filmen wie Oldboy und The Handmaiden diesen Ruf erarbeitet und seine Fans dabei mit grosszügiger Dosierung von Gewalt und Sex öfters verzückt, manchmal verstört. Seine Gesellschaftssatire No Other Choice kommt vergleichsweise gesittet daher, doch der Teufel sitzt in der Moral der Mär: Ein Manager im mittleren Kader einer Papierfabrik verliert seine Stelle und gefährdet damit das sorgenfreie Leben seiner Familie mit Haus, Garten und Hund, Tennispartien der Frau, Cellostunden für die autistische kleine Tochter und undurchsichtigen Touren des halbwüchsigen Sohns. Die klischeehafte Entsolidarisierung der materialistischen Familie aber bleibt aus: Die Frau packt pragmatisch mit an, Cellostunden und Hund werden kurzerhand gestrichen, das Haus zum Verkauf ausgeschrieben. Der zur Hilfskraft degradierte Mann allerdings bewirbt sich unbeirrbar um die alte Position bei anderen Firmen – und kommt dabei zum Schluss, dass nicht die raren Jobs, sondern die zahlreichen Mitbewerber das Problem sind. Bis der Film zu dieser schwarzkomödiantischen Hauptlinie und ihren haarsträubenden Konsequenzen durchfindet, dauert es etwas, und auch danach bleibt der Plot voller kurioser Verzweigungen, die bald den Karrierismus, bald die angekratzte männliche Ehre oder die (Schein-)Heiligkeit der Familie zum Thema haben. Wie letztere mittut, als es der Vater nach dilettantischen Anfängen endlich zum Killer schafft, hat es allerdings in sich: Ähnlich wie in Parasite kein Anflug von Skrupeln – und damit die Frage, wie der Regisseur zum amoralischen Treiben seiner Figuren steht. Meisterlich oder fragwürdig? Auf alle Fälle sehr anregend.
Andreas Furler
