Michael
Antoine Fuqua, USA, UK, 2026o
The biopic about the American pop star Michael Jackson (1958–2009) traces how the youngest of the Jackson 5 brothers stood out as early as the age of eight with his talent for dancing and singing, but remained for many years under the thumb of his ambitious father and drill sergeant – and thus remained an eternal child in an artistic world full of toys, exotic pets and endless cosmetic surgeries. Even after the global success of the 1982 album Thriller, he toured once again with his brothers at his father’s behest. It was not until Bad in 1987 that he managed to embark on a solo world tour.
Ob Dylan, Springsteen, Freddie Mercury, Céline Dion oder Elton John: Früher oder später bekommt jede/r der ganz Grossen im Pop/Rock-Geschäft ein Biopic, weil es sich für alle Beteiligten rentiert. Im Fall von Michael Jackson stellte sich nur die Frage, wo der Film enden würde: beim ersten Ausbruch des Teenagers aus dem autoritär geführten Familienclan der Jackson 5 in den 1970er Jahren, beim Megahitalbum Thriller von 1982 oder doch erst mit dem Tod des vielfach gebrochenen Fünfzigjährigen im Jahr 2009? Nun liegt die Antwort vor, sie lautet: natürlich mit der triumphalen ersten Solowelttournee von 1988, als Jackson siebenmal im ausverkauften Wembley-Stadion spielte und sich mit (I’m) Bad endgültig vom übermächtigen Vater lossagte. Ausgespart bleiben also der lange Niedergang der Karriere und der Gesundheit, die beiden Prozesse und Freisprüche wegen angeblichem Kindsmissbrauch, all die bizarren Auftritte, in denen sich der grösste Star des Discozeitalters zum entstellten ewigen Buben wandelte. Zugute halten muss man der anfänglich unterhaltsamen, aber gänzlich aseptischen Bebilderung, dass sie uns nebst Jacksons unübersehbarem Gesangs-, Tanz- und Showtalent seit den ersten Auftritten als achtjährigem Frontmann seiner grossen Brüder auch die seltsamen Seiten des Entertainers zeigt: die forcierte Unbeschwertheit, mit der er die Welt um jeden Preis beglücken wollte, das Muttersöhnchen-Syndrom, das ihn nie aus seinem Kinderzimmer herausfinden liess, die aberwitzigen Schönheitsoperationen, die den dunkelhäutigen Wonder Boy zum ausgezehrten bleichen Freak verwandelten. Selbst die Kinderobsession kommt – in der harmlosen Spielart als Engagement für kleine Spitalpatienten – vor... Jacksons Neffe Jaafar ist technisch gut, doch frei von Charisma als dieser afroamerikanische Peter Pan, Colman Domingo so unerträglich wie nötig als Vatertyrann, nur die Dramaturgie gerät arg ins Stocken, als der Film das Rad der Zeit partout nicht über den Wembley-Triumph von 1988 hinausdrehen will. So fantasie- wie endlos zelebriert das Finale zwei der Konzertnummern, während die Lautstärke ins Unerträgliche steigt, bis uns die Einblendung «The Story Continues» so viel- wie nichtssagend erlöst. Ohrenstöpsel dringend empfohlen, auch eine Augenbinde hätte man sich am Ende gefallen lassen.
Andreas FurlerGalleryo
