r Amarga Navidad
Pedro Almodóvar, Spain, 2026o
An aging film director comes up with an uninspired story about a advertising filmmaker and her friends as they navigate various crises—a story he unabashedly borrows from people in his own circle. While his partner watches this "plagiarism" with nothing more than a slight frown, his longtime assistant finally loses her temper. The showdown leads to a surprising reevaluation of what has just been shown.
Wer hätte das Pedro Amodóvar noch zugetraut? Nämlich: Das ihm nach einer Reihe immer kraftloserer Filme nochmals eine ganz schön raffinierte Geschichte gelingen würde. Zudem eine ziemlich selbstkritische über den notorischen Vampirismus erzählender Künstler, die sich für ihre «Autofiktionen» ungehemmt bei den Tragikomödien ihrer mehr oder weniger Liebsten bedienen.
Der Preis für diese Pointe allerdings ist hoch: Eine gute Stunde lang erzählt uns der alternde Maestro mit platten Dialogen und faden Figuren die Geschichte der Werbefilmerin Elsa, die einst zwei Kultfilme gedreht haben soll und mittlerweile mit einem dekorativen Feuerwehrmann und Hobbystripper liiert ist. Letzterer manövriert Elsa mit Engelsgeduld durch ihre Panikattacken und gebärdet sich auch sonst eher als Assistent denn als Partner. Den Geschichten um den unverarbeiteten Tod von Elsas Mutter und um zwei Freundinne, welche die Protagonistin durch deren Dramen mit einem untreuen Ehemann und einem sterbenden Kind begleitet, ergeht es nicht besser: flache Figuren und dünne Episoden in Almodóvars allzu vertrauter Klang- und Designmöbelwelt.
Auch die Tatsache, dass uns der Film dabei vielfach vorführt, dass Elisa Story gar nicht der eigentliche Film ist, sondern ein Drehbuch, das ein alternder Regisseur namens Raúl von Vorbildern in seinem Lebensumfeld abkupfert, ist vorerst mässig tröstlich. Erst als Raúls langjährige Assistentin ihm gnadenlos den Spiegel vorhält, stellt Almodóvar die Geschichte vom Kopf auf dies Füsse:
Die Rahmen- wird unversehens zur Haupthandlung, das letzte Drittel des Films zur genüsslichen Abrechnung mit den ersten zwei – will sagen: mit Almodóvars gesammelten Manierismen und seiner berechtigten Befürchtung, dass auch der kreativste Kopf irgendwann ausgebrannt ist. Doch damit nicht genug: Almodóvars Alter Ego im Film wird sich noch während des fulminanten Showdowns mit seiner Assistentin gewahr, dass er mit Amarga Navidad überhaupt den Stoff verfehlt hat. Andere Leute in seinem Umfeld gäben einen viel besseren ab, flugs ans Werk! Man kann kaum anders, als dem Unbelehrbaren zu verzeihen: Just die Uninspiriertheit hat ihn zu einer geistreichen Coda inspiriert.
Andreas Furler
